Study Rooms 2026

Study Rooms 2026

Die Bauhaus Study Rooms 2026 widmen sich Prozessen der Transformation in Regionen des industriellen und postindustriellen Strukturwandels.

Die Bauhaus Study Rooms 2026 finden in Kooperation mit dem International Summercamp Irregular Circularities im Rahmen des Reallabors ZEKIWA Zeitz statt. Sie widmen sich Prozessen der Transformation in Regionen, die durch industrielle und postindustrielle Veränderungen geprägt sind. Die Akademie der Stiftung Bauhaus Dessau lädt Designer*innen und Forscher*innen ein, die Verflechtungen von industriellen Landschaften, sozialen Infrastrukturen und der Gestaltung der gelebten Umgebung zu erkunden.

Am Bauhaus Dessau war Design eng mit der industriellen Logik der Produktion verwoben und zielte darauf ab, Prototypen für die serielle Fertigung durch die lokale Industrie zu entwickeln. In diesem Sinne war das Bauhaus eng in die landschaftlichen Veränderungen des Industriezeitalters, die zunehmende Ausbeutung von Ressourcen und die Zerstörung der Umwelt eingebunden. Parallel dazu gab es jedoch auch bereits ein frühes Bewusstsein für die Bedrohungen der natürlichen Lebensgrundlagen. Ganzheitliche Denkweisen – die den Menschen als Teil von Ökosystemen und in wechselseitigen Beziehungen zu seiner Umwelt begreifen – waren sowohl in der Lehre als auch in der Praxis verankert. Das Bauhaus zeigt sich damit – historisch wie in seiner Rezeption – als ein vielschichtiges Gefüge oft widersprüchlicher Positionen.

Vor diesem Hintergrund eröffnen die Bauhaus Study Rooms 2026, unter dem Titel Offene Kreisläufe: Fundamente, vielfältige Perspektiven auf das Erbe des Bauhaus und laden dazu ein, das historische Bauhausgebäude in Dessau als einen durch vielschichtige Geschichten, Nutzungen und Beziehungen geprägten Ort zu erfahren. Partner*innen und Alumni der Bauhaus-Akademie geben Einblicke in ihre Praxis. Für das Summercamp gestalten sie die einführenden Workshops vor Ort in Zeitz. Entlang der thematischen Cluster Energy, Soil, Air und Dreams beschäftigen sie sich mit den materiellen und ökologischen Besonderheiten des Ortes. Dabei geht es um Formen der Arbeit und Fürsorgesysteme, um Böden als eine Art lebendiges Archiv, um das Wahrnehmen und Sichtbarmachen von Luft und der akustischen Umgebung sowie um Archive, Objekte und lokale Geschichten, die basierend auf spekulativen Ansätzen Verbindungen zwischen Erinnerung und Imagination herstellen.

Fr, 29. Mai 2026
// Bauhausgebäude, Gropiusallee 38

14 – 14:30 Uhr
Begrüßung
Barbara Steiner, Vera Lauf, Daniel Springer

14:30 – 15:30 Uhr
Eröffnungsvortrag
Drifting with the Living
Angela Rui

Tradierte Formen, die bewohnt und anschließend von innen heraus verändert werden, bilden die Grundlage von Angela Ruis kuratorischer Praxis im Bereich Design: Historische Dispositive – das Aquarium, das Panorama, die Biennale – werden zu kritischem Material, um die Gegenwart besser zu verstehen. Was, wenn die Trennung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor allem ein Konstrukt unserer Wahrnehmung ist? Wie können wir die Gegenwart als die einzige Dimension begreifen, in der wir handeln und gestalten können?
Entlang von Ausstellungsprojekten und kollaborativen Formate zeichnet Angela Rui eine Praxis nach, die sich an Ökosystemen und Gemeinschaften sowie an den neuen Beziehungen, die sie erfordern, orientiert – und betrachtet die Designkultur, die sie daraus ergeben kann.

15:30 – 18 Uhr
Performativer Rundgang
Interactions: An experiential exploration
Vivien Tauchmann (Choreographie), Lili Carr, Elena Falomo, Shaiwanti Gupta, Teresa Häußler, Pierre Klein, Aanastasiia Noga, Hannah Schönicke, Johanna Soto

Was bleibt sichtbar, was verstummt?
Das Bauhausgebäude wird oft als Sinnbild der Moderne rezipiert – zugleich ist es geprägt von vielschichtiger Historie, Nutzungen und Beziehungen. Dieses Format lädt Besucher*innen dazu ein, das Bauhaus als lebendigen Raum zu erfahren und Bezüge zwischen vergangenen Visionen und gegenwärtigen Realitäten nachzuvollziehen.
Zwischen Luft und Struktur, Körper und System, Vergangenheit und Gegenwart wird das Bauhaus als Ort sichtbar, an dem unterschiedliche Nutzungen, Perspektiven und Bedeutungen fortlaufend aufeinandertreffen und sich immer wieder neu formieren. Interventionen, geteilte Beobachtungen und verkörperte Begegnungen richten den Blick auf häufig unsichtbare Dimensionen von Zugehörigkeit, Arbeit, Fürsorge sowie Spannungsverhältnisse – zwischen öffentlich und privat, Bewegung und Stillstand, Intention und Wirkung.
So entsteht ein Raum, der es ermöglicht, darüber nachzudenken, wie vergangene Erzählungen gegenwärtige Wahrnehmungen prägen – und wie sie gemeinsam neu gedacht werden können. Anstelle fester Narrative bildet sich ein kollektiver Raum der Aufmerksamkeit heraus: wahrnehmen, in Beziehung treten, sich positionieren und hinterfragen.

18 – 20 Uhr
Picknick
mit der Urbanen Farm Dessau


Sa, 30. Mai 2026
// verschiedene Orte in Zeitz

die Workshops richten sich ausschließlich an die Teilnehmenden des Internationalen Summercamps

13 – 17 Uhr
Streuobstwiese Zeitz
Workshop Air
Post-industrial herbarium „Airbarium“
Teresa Häußler, Pierre Klein

Luft ist ein unsichtbares Medium, das uns umgibt, unsere Lungen füllt und subtile Hinweise auf unsere Umwelt liefert. In (post-)industriellen Landschaften wird sie zu einem Schlüssel- Indikator für Umweltbedingungen und umfasst sowohl menschliche als auch mehr-als-menschliche Erfahrungen. Dieser Workshop untersucht Prozesse des Wahrnehmens, Sammelns und Kartierens sowie die Nutzung eines Herbariums als sensibles Medium, um sich mit Pflanzenleben auseinanderzusetzen. Teilnehmende sind eingeladen, einen gemeinschaftlich genutzte Streuobstwiese in Zeitz als einen Raum des Austauschs, des Rhythmus und der Begegnung zu erkunden.

13 – 17 Uhr
ZEKIWA areal Zeitz
Workshop Dreams
From collective memory to collective dreams – A journey through three slices of time
Hannah Schönicke, Johanna Soto

Um sich vorzustellen, was in der Zukunft liegen könnte, müssen wir damit beginnen, uns fest in der Vergangenheit und der Gegenwart zu verankern. Es bedarf eines Fokus sowohl auf gelebte Realitäten als auch darauf, wie wir Geschichten kollektiv erzählen und erinnern. Die Auseinandersetzung mit der erinnerten Vergangenheit von Zeitz anhand von Artefakten, Archivmaterialien und den Geschichten der Bewohnenden sensibilisiert uns für die projektiven und politischen Dimensionen von Geschichten und dafür, wie sie erzählt werden. Ausgehend von einer Sammlung subjektiver Eindrücke, vor Ort gewonnener Wahrnehmungen sowie dem Reichtum unserer eigenen bisherigen Erfahrungen und Hoffnungen werden wir unsere Träume kartieren, um zu zeigen, wie positive Zukünfte entstehen können und um über unsere Wirksamkeit bei der Ausgestaltung dieser Szenarien nachzudenken.

13 – 17 Uhr
ZEKIWA areal Zeitz
Workshop Energy
Labour Assemblies
Anastasiia Noga, Shaiwanti Gupta

Der Workshop lädt Teilnehmende dazu ein, sich kritisch mit den ehemaligen ZEKIWA-Standorten auseinanderzusetzen – sowohl im Hinblick auf die sichtbare industrielle Produktion als auch auf die unsichtbaren Praktiken der Fürsorge und Unterstützung. Dabei wird untersucht, wie unterschiedliche Formen von Arbeit über Energie, Raum und Körper organisiert sind. Durch Führungen und Gruppenarbeiten erproben wir, wie ein einzelnes Objekt oder Element größere Fragen nach produktiver und reproduktiver Arbeit, der Ausbeutung von Ressourcen, Materialgeschichte und sozialen Strukturen eröffnen kann – und wie daraus neue Ansätze entstehen, Arbeit in der Gegenwart zu organisieren.

13 – 17 Uhr
ZEKIWA areal Zeitz
Workshop Soil
Soil Portraits
Lili Carr, Elena Falomo

Anthropogene Böden sind äußerst heterogen, orts- und geschichtsspezifisch, schwierig zu untersuchen und kaum zu verallgemeinern. Dieser partizipative Workshop erprobt eine handwerklich orientierte Methode, um die vielfältigen Charaktere der auf dem ZEKIWA-Gelände vorkommenden Böden in Form von Porträts zu erfassen und malerisch darzustellen. Wir erkunden die verflochtenen Realitäten kontaminierter Böden aus der Perspektive der besiedelnden Pflanzen. Die Teilnehmenden arbeiten gemeinsam an einer textilen Karte des Ortes, die Böden als lebendige Archive sichtbar macht.

17 – 18 Uhr
Forum
Öffentliche Präsentation der Workshop-Ergebnisse

Lili Carr ist eine in Großbritannien und den Niederlanden tätige Architektin und Landschaftsgestalterin mit einem besonderen Interesse an Böden, Gewässern und ökologischen Zusammenhängen in urbanen Umgebungen. Derzeit ist sie als von S+T+ARTS/der Europäischen Kommission geförderte Artist-in-Residence am BOKU-Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie in Wien tätig. Im Jahr 2021 war sie Research Fellow des Bauhaus Lab „Vegetation under Power“.

Elena Falomo ist Designforscherin und promoviert derzeit an der Polytechnic University Turin. Sie ist Mitbegründerin der Living Summer School, einer informellen Lernplattform, die Teil der LINA Community ist. Im Jahr 2024 nahm sie am Bauhaus Lab im Rahmen des Programms „On behalf of the Environment“ teil.

Shaiwanti Gupta ist Architektin und Forscherin und bewegt sich in ihrer Arbeit zwischen industriellen Landschaften und häuslichen Räumen. Als Absolventin von The Berlage an der TU Delft wurden ihre Arbeiten unter anderem auf der IABR und der Media Architecture Biennale ausgestellt sowie bei The Berlage, Spector Books und im Journal Progetto Grafico veröffentlicht. Im Jahr 2021 war sie Research Fellow des Bauhaus Lab „Vegetation under Power“.

Teresa Häußler ist Ausstellungsgestalterin, Szenografin und Designforscherin. Sie beschäftigt sich mit Schnittstellen zwischen Raum, Politik und Repräsentation. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Fragen des Displays, beleuchten historische Schichten und Narrative der Moderne. Sie schloss ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe im Jahr 2023 ab und nahm am Bauhaus Lab „On behalf of the Environment“ im Jahr 2024 teil.

Pierre Klein ist bildender Künstler und Designer. Seine experimentelle Praxis mit Farbe, Raum und Bewegung erforscht simple Phänomene an der Grenze der Wahrnehmung. Er entwirft und realisiert Performances, szenografische Installationen, Ausstellungen und Mikro-Publikationen, die einen vertiefenden Zugang zu Alltäglichem eröffnen. Er unterrichtet am Atelier de Sèvres sowie an den ENSCI-Les Ateliers in Paris und war 2021 Research Fellow des Bauhaus Lab 2021 „Vegetation under Power“.

Anastasiia Noga ist eine in Berlin tätige Forscherin, die im Jahr 2025 den Master des COOP Design Research Programms abschloss. Sie untersucht Arbeit und industrielle Räume mit Fokus auf die Handlungsmacht von Arbeitenden sowie die räumliche Organisation von Produktion. Sie verfasste Beiträge zur Architektur-Biennale in Venedig, bei Sternberg Press, im Kaleidoscope Magazine, bei der Tbilisi Architectural Biennial, der Dutch Design Week sowie im House for Architectural Heritage in Bahrain.

Angela Rui ist eine Kuratorin und Forscherin aus Italien. In ihrer Praxis, die Ausstellungen, Biennalen und Mentoring beinhaltet, versteht sie Design als Möglichkeit öko-sozialer Untersuchung, kollaborativer Experimente und einen kritischer Reflexion über das Gemeingut. Sie ist Leiterin der Masterstudiengänge am IED Mailand.

Hannah Schönicke ist eine in Leipzig tätige Designforscherin und -praktikerin. In ihrer Arbeit verbindet sie unterschiedliche Formen der Wissensproduktion, darunter akademische Forschung, kreatives Schreiben sowie gestalterische und bauliche Praxis. Zuletzt beschäftigte sie sich mit postindustriellen Landschaften, leitete Workshops zu fiktionalem Schreiben als Methode der Erkenntnisgewinnung und erlernt den Umgang mit Lehm als Baumaterial. Im Jahr 2025 erhielt sie den Master des COOP Design Research Programms.

Johanna Soto ist eine kolumbianische Industrie-Designerin mit Masterabschlüssen in Business Design und im COOP Design Research Programm 2024. In ihrer Forschung untersucht sie Prozesse der Co-Creation und die Rolle von Design in der Transformation konfliktbeladener Kontexte, insbesondere im Hinblick auf Fragen von Erinnerung und Erzählung.

Vivien Tauchmann ist freie Designerin, Bewegungskünstlerin und Forscherin. Sie untersucht gesellschaftspolitische Zusammenhänge durch körperbasierte Praktiken an der Schnittstelle von Design, Pädagogik und Somatics. Sie arbeitet mit zivilgesellschaftlichen Initiativen, lehrt international und lebt zwischen Deutschland und der Türkei.

Urbane Farm Dessau ist ein 2013 durch die Stiftung Bauhaus ins Leben gerufenes Projekt zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Es verwandelt Brachflächen in produktive Gärten und fördert die lokale Selbstversorgung mit gesunden Nahrungsmitteln, Kreislaufwirtschaft und erneuerbaren Energien. Zudem führt die Urbane Farm Bildungsprogramme zu vorsorgendem und solidarischem Wirtschaften durch.

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