Freitagsgruppe: Bauen + Technologie

Freitagsgruppe: Bauen + Technologie

Die Freitagsgruppe widmet sich dem Thema Bauen + Technologie. Im Zentrum steht die Frage, wie man Naturmaterialien wie Basalt, Lehm oder Stopfhanf industriell und damit wirtschaftlich verarbeiten kann. Dazu stellen wir verschiedene Lösungsansätze aus der Bauhausgeschichte vor.

Mit Sven Gesse, freier Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau, schauen wir fast 100 Jahre zurück: Welche experimentellen Baumaterialien wurden in der Siedlung Törten verwendet? Und welche Erkenntnisse ergaben sich daraus? Ebenso thematisieren wir Hochtechnologie, die ressourcenschonenderes Bauen ermöglicht: Georgi Gogoladze von der Deutschen Basalt führt uns in neue Technologien rund ums Material Basalt ein. Aber auch historische Baustoffe wie Lehm werden wiederentdeckt und sind eine praktikable, (raum-)klimafreundliche Baualternative, wie Björn Klug von der Firma GIMA zeigt. Auch das praktische Ausprobieren kommt nicht zu kurz: Das Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe lässt uns mit Stopfhanf experimentieren. Und wie immer begleitet uns die Urbane Farm mit Essen und Trinken passend zum Schwerpunkt.

Letzte Freitagsgruppe im Jahr 2026.

Sprache: Deutsch

Begrüßung
Theresia Ilchmann, Stiftung Bauhaus Dessau

Die Unberechenbarkeit des Materials in der Versuchssiedlung Törten
Sven Gesse, freier Mitarbeiter der Stiftung Bauhaus Dessau
Bei den Versuchshäusern in Törten gab es Untersuchungen der Verwendung von unterschiedlichen Materialien, die wissenschaftlich ausgewertet und dokumentiert wurden. Der Bericht der Reichsforschungsgesellschaft zur Siedlung Törten enthält einen Schwerpunkt „Baustoffe, Bauweise und Bauteile.“ Der Zeit in den 1920er Jahren geschuldet, ging es vor allem um Kosten- und Zeiteffizienz beim Einsatz neuer Materialien und Technologien.

Digitaler Vortrag:
Einfach bauen! Forschungshäuser 1–3 in Bad Aibling und der große Maßstab
Florian Nagler, Florian Nagler Architekten
2020 wurden in Bad Aibling drei Wohnhäuser fertiggestellt, die auf ein Forschungsprojekt der TU München zurückgehen. Es wurde der Frage nachgegangen, wie man auf immer komplizierter werdende Bauprozesse planerisch reagieren kann. Die Antwort lautet „Einfach Bauen“ und versteht sich als ganzheitliche Strategie für energieeffizientes, einfaches Bauen.

Interaktion:
Produkte aus Hanf

Ivette und Susanne Bartholomé, Hanffaser Geiseltal eG
Die Genossenschaft Hanffaser Geiseltal produziert nachhaltige Bau- und Dämmstoffe aus Hanf. Regional angebaut und in Sachsen-Anhalt verarbeitet, fördern die Produkte gesundes Bauen und tragen zu einer klimafreundlichen Bauwende bei. In dieser Freitagsgruppe vermitteln uns Ivette und Susanne Bartholomé die Vielfalt des Hanfs.

Essen + Trinken
Urbane Farm Dessau
Pflanzen sind konstruktiv perfekte Bauwerke, von erstaunlicher Statik und ästhetischer Schönheit. Die Architektur hat sich oft die Strukturen der Natur zum Vorbild genommen, sei es bei Stützen, Tragwerken oder Fassaden. Um die Früchte von Pflanzen zu verarbeiten, braucht es besondere Technologien: Pressen, Trocknen, Dampfentsaften … In dieser Freitagsgruppe machen wir den Holunder zum Thema, an dem Vorbildlichkeit und Technologie illustriert werden können.

Impuls 1:
Bauen mit GIMA-Lehmziegeln
Björn Klug, GIMA Girnghuber GmbH
Das Traditionsunternehmen GIMA Girnghuber GmbH im bayrischen Marklkofen leistet seit vier Generationen wertvolle Beiträge für die Baukultur. Das Deutsche Institut für Bautechnik erteilte GIMA 2025 die allgemeine Bauartgenehmigung für tragendes Lehmsteinmauerwerk im Dünnbettverfahren. Gleichzeitig erhielten die ungebrannten GIMA-Lehmhochlochziegel die bauaufsichtliche Zulassung. Der Lehmziegel ist dadurch für sämtliche Gebäude bis Gebäudeklasse 5 uneingeschränkt nutzbar.

Impuls 2:
Basalt: nachhaltig, umweltschonend und profitabel
Georgi Gogoladze, Deutsche Basalt Faser GmbH
Seit 2008 stellt die Deutsche Basalt Faser GmbH in Sangerhausen kontinuierlich gezogene Basalt-Fasern aus geschmolzenem Vulkangestein her. Die Produkte mit interessanten Vorteilen u.a. gegenüber Stahlbewehrung, Glas- und Karbonfasern in Bezug auf Korrosions- und Zugfestigkeit sowie Temperatur- und UV-Beständigkeit sorgen für umfängliche Anwendungsgebiete in der Schiff-, Luft- und Raumfahrt sowie Architektur und Textilindustrie.

Diskussion: 
Technologie versus nachhaltiges Bauen?

mit Barbara Steiner, Stiftung Bauhaus Dessau und den Teilnehmenden
Walter Gropius sprach von Stahlbeton und Glas als neue Materialien, die die alten wie Lehm und Holz überholt hätten. Lehm- und Holzbauten schienen für den industriellen Maßstab unbrauchbar, sie waren nicht modern. Heute ist das Potential von Holz und Lehm für den Massenwohnungsbau erkannt. Schließt das Bauen mit pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Naturmaterialien technologische Anwendungen aus oder ergeben sich dadurch auch für die Industrieproduktion neue Chancen? Hilft der Einsatz von Technologie, Energie und Ressourcen zu sparen?

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Freitagsgruppe „Können Städte sich selbst versorgen?“, Bauhaus Museum Dessau, 14.4.2023
© Stiftung Bauhaus Dessau / Foto: Tenschert, Yvonne, 2023