„Für die Entwicklung der Stadt Dessau könnten sich aus dieser Situation Möglichkeiten ergeben, wie sie sich ihr kaum je wieder bieten würden.“ Dieses Resümee des Dessauer Oberbürgermeisters Fritz Hesse angesichts der Auflösung des Staatlichen Bauhauses in Weimar sollte sich in vielfacher Hinsicht bewahrheiten. Das Bauhaus zieht 1925 in die aufstrebende Industriestadt Dessau um und vollzieht auch einen strategischen Wandel im Sinne der Losung „Kunst und Technik – Eine neue Einheit“. Bereits vor der Einweihung des Schulgebäudes und der Meisterhäuser richten die Bauhäusler ihre Wohnungen, Ateliers und Werkstätten mitten in Dessau ein. Bald erhält das Bauhaus seine ersten Aufträge: Hier wird ein Café neu ausgestattet, dort das Schaufenster des Reisebüros zum Blickfang umgestaltet. Das Bauhaus schreibt sich mit Fassadengestaltungen, Bühnenbildern, Möbeln, Reklamekunst und städtebaulichen Projekten in die Stadt ein. Währenddessen verliebt sich Paul Klee in den Dessauer Georgengarten, wo er stundenlang spazieren geht und ein neues Verständnis der Landschaftsmalerei entwickelt. Dieses Buch erkundet die heute oft unsichtbaren Orte, an denen sich das Bauhaus und die Stadt Dessau gegenseitig beeinflussten und gemeinsam ein Experimentierfeld der Moderne schufen.