Albena Yaneva
Baustoffe im neuen Klimaregime
29. Januar 2026
18:45 Uhr
Bauhausgebäude
Welche Materialien, Verfahren und experimentellen Strategien werden im Labor des Architekten im neuen Klimaregime eine Rolle spielen? Wie ermöglichen wir eine kohlenstoffarme Bauweise? Könnten erneuerbare pflanzliche und erdige Materialien mit zirkulären Lebenszyklen die Lösung sein? Welche neue Rolle wird Architekten zukommen, wenn sie nicht mehr nur Verbraucher von Materialien aus dem Regal sind, sondern aktive Akteure in diesen Zyklen der Materialexperimente? Und wie wird dies die Ökologie der Architektur- und Bauindustrie insgesamt verändern? Der Vortrag befasst sich mit diesen Fragen anhand der Geschichte eines alten venezianischen Materials, das von Mythen und lokalen kulturellen Legenden umrankt ist – der Briccola (Delfin). Diese aus Eichenholz gefertigten, nummerierten und mit Geschwindigkeitsbegrenzungen versehenen Objekte markieren die Wasserwege und erleichtern die Navigation in der Lagune von Venedig. Anhand der Prozesse der Herstellung, des Austauschs, der Bergung und Wiederverwendung von Delfinen soll aufgezeigt werden, inwieweit selbst traditionelle Materialien zu Streitobjekten geworden sind. Durch die Mobilisierung eines riesigen, heterogenen Netzwerks von Akteuren, von Institutionen wie der Wasserbehörde von Venedig über Handwerker, Naturschützer und Meeresbiologen bis hin zu Schiffsbohrwürmern und Wasservögeln, nehmen Delfine eine pragmatische Realität an, die über ihre semiotische Definition hinausgeht. Die Geschichte der Delfine stellt die unwahrscheinliche Geschichtsphilosophie in Frage, nach der Objekte stumm und unbeweglich bleiben. Sie lässt uns den komplexen Kompromiss zwischen den ökologischen und sozialen Auswirkungen sowohl traditioneller extraktivistischer Methoden als auch neuer Materialexperimente überdenken.