Offene Werkstatt: Schalung
14.2.2026
11 – 14 Uhr
Eisen, Beton und Glas nannte Walter Gropius als die neuen, industriellen Baustoffe, die die alten Naturbaustoffe „überholen“ würden. Das Bauhausgebäude steht für eine Vielzahl von Material-Neuentwicklungen in der Industrie und im Bausektor der 1920er Jahre. Die dreiteilige Ausstellung widmet sich den Materialien, aus denen es vorwiegend gemacht ist und mit denen sich die Werkstätten der Schule beschäftigten.
Als der Werkstattflügel des Bauhausgebäudes am 4. Dezember 1926 in Dessau eröffnet wurde, erstrahlte er wie ein gläserner Kubus – eine architektonische Manifestation des Neuen Bauens. Die Faszination, aber auch Skepsis der über 1.000 Gäste rührte nicht nur vom ungewöhnlichen, windmühlenförmigen Grundriss her, sondern auch von den neuartigen Baumaterialien, die Walter Gropius verwendete und mit denen sich die Werkstätten der Schule gestalterisch auseinandersetzten.
Fast ein Jahrhundert später nimmt die Ausstellung Glas | Beton | Metall im historischen Werkstattflügel genau diese Materialien in den Blick. Sie untersucht die engen Verflechtungen der Bauhausarbeit mit der Industriegeschichte des frühen 20. Jahrhunderts und fragt nach den oft übersehenen materiellen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des ikonischen Gebäudes und seiner Werkstattproduktion.
Die dreiteilige Ausstellung gibt anhand von historischen Fotografien, Werkzeugen, Dokumenten und Gerätschaften Einblick in bisher wenig beachtete Aspekte der Bauhaus-Geschichte. Sie fragt nach den Formatierungen dieser modernen Alltagsästhetik, nach Herstellungsprozessen, Produktionsorten, Arbeitsbedingungen und der Rohstoffgewinnung, die sich hinter den glatten, sauberen Oberflächen von Stahlrohren oder Glasfassaden verbergen.
Glas | Beton | Metall verfolgt Handelswegeund Ressourcenströme, die in zutiefst ungleiche koloniale und imperiale Wirtschaftsbeziehungen und Geopolitiken eingebunden waren. Die Ausstellung thematisiert die Irritationen, Verwerfungen, aber auch Aufbrüche, die mit den Materialinnovationen zu Beginn der 1920er Jahre verbunden waren – und schlägt damit eine Brücke zu aktuellen Debatten über Nachhaltigkeit, Ressourcengerechtigkeit und globale Produktionsbedingungen.
Eröffnung:
28.3.2026, 11 Uhr
Kurator*innenführung:
29.3.2026, 16 Uhr
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird der Baustoff Glas zu einem der wichtigsten Medien einer neuen Architekturauffassung. Die „Glasarchitektur“, schreibt Walter Gropius 1926, zeige „ein verändertes raumempfinden, das das prinzip der bewegung, des verkehrs unserer zeit in einer auflockerung der baukörper und räume widerspiegelt, das die abschließende wand verneint und den zusammenhang des innenraums mit dem allraum zu erhalten sucht.“ Aus mineralischen Feststoffen unter Hitze zu einem durchsichtigen Material verwandelt, ist Glas der Stoff einer künstlichen Transformation – und verkörpert damit auch die Umbrüche der Moderne selbst.
Der erste Teil der Ausstellung untersucht die technischen, ästhetischen und symbolischen Dimensionen dieses Materials, das Architektur neu dachte und den Blick auf die Welt veränderte.
Das Grundgerüst des Bauhausgebäudes besteht aus einem Stahlbetontragwerk. Was es zur Erbauungszeit des Bauhauses 1925/26 bedeutete, eine solche Tragkonstruktion zu realisieren, welche Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Prozesse damit verbunden waren, steht im Fokus des zweiten Ausstellungsteils.
Beton ermöglichte neue architektonische Freiheiten und Konstruktionen. Zugleich thematisiert die Ausstellung die erheblichen Eingriffe in Landschaft und Ökosysteme, die mit der Gewinnung von Rohstoffen für die Betonproduktion einhergehen – damals wie heute. Die Ambivalenz dieses Baustoffs zwischen Innovation und ökologischer Belastung wird dabei ebenso sichtbar wie seine zentrale Rolle für die Moderne.
In der Lehre und in den Produkten der Metallwerkstatt, in Stahlhausentwürfen sowie auf der Bauhausbühne mit dem „Tanz in Metall“ entfaltete sich ein neuer, utopisch aufgeladener Gestaltungswille und die Orientierung auf das Industrieprodukt. Die Begeisterung erstreckte sich zugleich auf technische Experimente anderer, wie die der Dessauer Junkers-Werke.
Am Bauhaus wurden Stahl und Aluminium die bevorzugten Metalle, denn nun ging es vorrangig um die Gestaltung von Leuchten und Metallmöbeln, die mit den Architekturprojekten des Bauhauses korrespondierten. Der dritte Ausstellungsteil zeigt jedoch auch, dass die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen die intensive Ausbeutung natürlicher Ressourcen und menschlicher Arbeitskraft bedeutete – ein Aspekt, der in der Rezeptionsgeschichte des Bauhauses lange ausgeblendet wurde.
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