In besonderer Art und Weise reflektiert die Edition Elemente der Moderne: Mode der Sport- und Jugendkultur werden kombiniert mit einem typischen Funktionskleidungsstück des 20. Jahrhunderts.
Die Edition besteht aus 5 Teilen:
Trainingsanzugjacke und -hose, Sport bzw. Fußball-Trikot-Oberteil und kurze Hose, Ateliermantel aus dem Kunstakademiealltag des beginnenden 20. Jahrhunderts
Das Design-Konzept für die Jubiläums-Edition weist subtil darauf hin, dass die Bauhausgeschichte in Dessau nicht mit seiner Schließung durch die Nationalsozialismus 1932 (und 1933 in Berlin) endet. Nicht mehr als Kunsthochschule, sondern als Wissenschaftlich-Kulturelles Zentrum begann mit der späten Rekonstruktion und Wiedereröffnung des Bauhausgebäudes 1976 eine wichtige Periode des Bauhaus Dessau in der DDR und auch die 1990er Jahren, nach der Umwandlung in eine Stiftung 1994, markieren eine fruchtbare Zeit, die durch die Aufbruchstimmung der Nachwendezeit gekennzeichnet war.
So sind die Jahre 1976 und 1994 zeitgeschichtliche Marker, die in das Design eingewoben sind und die DDR und die deutsch-deutsche Geschichte als Teil der Bauhausgeschichte nach 1933 verdeutlichen. Diesen zeitlichen Bezugspunkten wird ein modehistorischer Verweis auf den Beginn des Bauhauses in der Weimarer Republik zur Seite gestellt.
Design:
Oliver Klimpel, Leiter der Kuratorischen Werkstatt, Stiftung Bauhaus Dessau mit dem Team von Adidas Originals
Trainingsanzug
Nicht nur westdeutsche Athleten wurden vom Sporthersteller aus Herzogenaurach ausgestattet. Zurzeit, als das Bauhaus 1976 seine Türen wieder öffnete, nahmen überraschenderweise auch DDR-Sportler in Trikots und Trainingsanzügen von Adidas an internationalen Wettbewerben und olympische Spielen teil. Ein strahlendes dunkelblau, entnommen aus einem architektonischen Detail im Foyer des Bauhausgebäudes von 1926 ersetzt in der aktuellen Jubiläumsedition das dunkelblau der DDR-Adidas-Trainingsanzüge. Im Schnitt der Jacke finden sich expressive, winkelige Formen, die in der gleichen Farbe abgesteppt sind im sogenanntes Panelling auf Vorderseite und Rücken. Diese sind ein Verweis auf Adidas-Trikots aus den 1990er Jahren; eine Zeit, die sowohl für das wiedervereinte Deutschland als auch die Stiftung Bauhaus Dessau prägend und transformativ war.
Trikot und Hose
Diese Formen finden sich auch im Schnitt der Oberteile und kurzen Hosen der Fußball-Kits. Auch diese greifen typische Farbtöne aus dem Bauhausgebäude auf. Allerdings sind es hellgrau und hellgelb, die abseits der Primärfarben, die oft fälschlicherweise als „typisch Bauhaus“ gelesen werden, den Farbenreichtum der Bauhausgestaltung unterstreichen. Auf der Vorderseite des Trikots findet sich die Wort-Bildmarke der Stiftung Bauhaus Dessau in blau als „high density rubber print“. Diese Typografie findet sich in kleinerer Form auch auf allen anderen Kleidungsstücken in 3D-Embroidery gestickt, zusammen mit dem Adidas-Tricorn.
Ein besonderes Detail der Trikots ist das besondere Jacquard-Muster, das im hellgrauen und hellgelben Stoff (100% recycled Polyester) eingewoben ist. Auch in der Weberei im historischen Bauhaus wurden Jacquard-Muster gewoben. Im verwendeten Trikot-Muster wurde eine Skizze der Bauhaus-Studierenden Lena Meyer-Bergner als Vorlage verwendet. Sie hatte bei der einzigen weiblichen Bauhaus-Meisterin Gunta Stölzl studiert und anhand von Muster-Übungen die innere Struktur und Aufbau von Textilien sowie deren Darstellung erlernt. In dem Muster der Kleidungsstücke steckt also ein grafisches Detail der Bauhauslehre aus dem Jahr 1927. Das Jacquard-Muster findet sich auch im hellgelben Innenfutter der Trainingsjacke wieder.
Ateliermantel
Die Logos der Stiftung Bauhaus Dessau und Adidas befinden sich gestickt in 3D-Embroidery auf dem ungewöhnlichsten Kleidungsstück der Edition, dem Ateliermantel oder Werkstattkittel, hier allerdings Ton-in-Ton auf weißem Grund, so wie man hier auch die drei Streifen subtil eingesetzt vorfindet. Der Kittel erinnert nicht nur an die Nutzung der Ateliermäntel an Institutionen wie dem Bauhaus. Er verkörpert darüber hinaus den dortigen Anspruch, die Wesensmerkmale, inneren Strukturen und Funktionen von Materialien wissenschaftlich zu ergründen. Ein damals pragmatisch verstandenes Kleidungsstück der Arbeit und nicht der Repräsentanz, in dem sich unter fast laborhaften Bedingungen in den Räumen des Werkstattflügels des Bauhausgebäudes künstlerische Versuchsreihen starten ließen.