Freitagsgruppe: Platte + Norm

Freitagsgruppe: Platte + Norm

Der hohe Grad an Standardisierung und industrieller Vorproduktion erlaubte es der DDR, binnen dreier Jahrzehnte über zwei Millionen Wohnungen zu bauen. Heute stehen in den ostdeutschen Bundesländern viele dieser Gebäude leer.

Sie werden komplett abgebrochen bzw. rückgebaut, seltener partiell demontiert und noch sehr viel seltener für neue Bauten eingesetzt. Dabei bietet die einstige standardmäßige Verbauung eigentlich eine ideale Grundlage für die Wiederverwendung der Elemente.

Die verbauten Rohstoffe und die graue Energie, die in den Betonelementen stecken, blieben auf diese Weise erhalten. Es würden keine natürlichen Ressourcen abgebaut, der Energieaufwand für die Herstellung von Beton sowie seine Bereitstellung würde entfallen.

Wir widmen uns dem Rückbau und der Wiederverwendung der Betonelemente, gehen baurechtlichen Entwicklungen für die sekundäre Verwendung gebrauchter Betonelemente nach und stellen das EU-Forschungsprojekt „ReCreate“ vor, das unter anderem den Bauprodukt-Status gebrauchter Betonbauteile erhalten will. Und wir zeigen Beispiele für die Wiederverwendung großformatiger Betonteile.

Erweitert wird der Themenschwerpunkt mit zwei Bezügen zur Bauhaus-Historie: Zum einen zu Ernst Neufert, dem Vordenker des normierten Bauens. Seine 1936 veröffentlichte Bauentwurfslehre gilt als Standardwerk im Architekturbereich. Weiterhin werden Überlegungen aus dem I. Internationalen Walter-Gropius-Seminar 1987 am Bauhaus Dessau zur „Wohnarchitektur für Dessau, Weiterentwicklung des Wohnungsbaus mit industriellen Bauweisen nach 1990“ vorgestellt.

Sprache: Deutsch


Die Freitagsgruppe steht in der Tradition des Bauhauses Dessau, sich aktiv mit gesellschaftlichen Herausforderungen auseinanderzusetzen und sich einzubringen.

Begrüßung
Barbara Steiner

Intro
Studentisches Projekt zum Umbau von Plattenbauten an der Dessauer Museumskreuzung

Vortrag
„Alten Betonplatten neues Leben einhauchen“, Angelika Mettke, BTU Cottbus + Christoph Henschel, UdK Berlin

Filmcollage von Florian Wüst
Die Häuserfabrik der Stadt Frankfurt am Main, Paul Wolff, DE 1927, 11:00 (2:20)
Elaste aus Schkopau, Uwe Belz, GDR 1968, 10:00 (2:30)
Bauen in Berlin, Michael Raven, West Germany 1970, 11:00 (1:10)
Manchmal möchte man fliegen, Gitta Nickel, GDR 1981, 61:00 (2:00)
Asbestos, Sasha Litvintseva, Graeme Arnfield, UK 2016, 20:00 (2:00)
74 m2, Paola Castillo, Tiziana Panizza, CL 2012, 68:00 (2:40)
Good Life, Μarta Dauliūtė, Viktorija Šiaulytė, SE/LT/FI 2022, 72:00 (2:40)

Impuls 1
Der Normungsspezialist Ernst Neufert
Walter Prigge
Ein Weltmarktführer aus dem Bauhaus: Neuferts Bau-Handbuch von 1936 wurde bis heute in 22 Sprachen übersetzt und über eine Million Mal gekauft.

Impuls 2
„Modifizierung von Plattenbauweisen“ (I. Internationales Walter-Gropius-Seminar), 1987
Hans Götze, damaliger Teilnehmer und Architekt am Bauhaus Dessau

Essen und Trinken
Urbane Farm

Spiel: „Der kleine GROSSBLOCK Baumeister“
Einführung: Heike Brückner
Das vom VEB Kombinat Chemisch-technische Erzeugnisse Gotha hergestellte Set kann vor Ort selbst erprobt werden.

Lesung: Auszug aus „Franziska Linkerhand“ von Brigitte Reimann
Juliane Aleithe
Im Mittelpunkt des Buchs steht die Architektin Franziska Linkerhand. Sie reflektiert ihr Leben, ihre Herkunft, ihre Ausbildung, ihre erste Ehe, ihre berufliche Entwicklung von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin bis zur Architektin bei der „Altstadtsanierung“ in Neustadt.

Diskussion: Was verhindert den großflächigen Einsatz von Plattenbauteilen?
Angelika Mettke, Walter Prigge, Hans Götze, Christoph Henschel
Moderation: Juliane Aleithe
In Summe können bei einem großflächigen Einsatz großformatiger Betonteile 95 bis 97 Prozent der Treibhausgase eingespart werden. Bauvorhaben könnten so in verhältnismäßig kurzer Zeit fertiggestellt werden. Dennoch gibt es nur wenige Pilotprojekte, die sich dies zunutze machen.

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